Die laufende TV-Saison 2004/2005
hat in Deutschland zu einem Comeback der US-Serien geführt. Sechs
amerikanische Serien finden sich derzeit in den kress-Saison-Update-Top-40
(siehe Seite 20), in der vergangenen Saison war es nur eine einzige: "Sex
and the City". Auch die Vielfalt der in Deutschland erfolgreichen US-Serien
ist enorm. Waren es vor Jahren noch vornehmlich Science-Fiction und Mystery-Serien,
befinden sich nun die Serien an der Spitze, die auch in den USA die meisten
Zuschauer vor die Fernseher ziehen. Krimiserien wie "C.S.I." und "CSI:
Miami", die großartig schwarzhumorige Serie "Desperate Housewives"
oder der Mystery-Superhit "Lost".
All diese Programme bieten Unterhaltung
auf Hollywood-Niveau, während Deutschland mit peinlichen Plagiaten
wie "Verschollen" eher auf Castrop-Rauxel-Niveau stehen bleibt. Der neuerliche
Erfolg des amerikanischen Fernsehens hat hier zu Lande vor allem zwei Väter:
ProSieben und Vox. Durch den Abzug von "CSI:
Miami" von Vox ins Mutterhaus RTL hat sich aber gezeigt, dass auch ganz
große Quoten jenseits der 20 % machbar sind. Nicht zuletzt durch
diesen Erfolg und den der ProSieben-Serien "Desperate Housewives" und "Lost"
dürfte es derzeit keinen Sender in Deutschland geben, der nicht auf
der Suche nach hochklassigen neuen US-Programmen ist. ProSieben hat für
den Herbst bereits die Ausstrahlung der wohl wenig Mainstream-tauglichen,
Mathematik-lastigen Krimiserie "Numbers" angekündigt, mindestens eine
weitere wird dazustoßen, bei RTL wird es sicher schon Überlegungen
geben, auch "CSI: NY" bei RTL zu senden
und nicht bei Vox. Sat.1 dürfte durch die vernünftigen Prime-Time-Quoten
von "Navy CIS" ebenfalls interessiert sein, das US-Portfolio auszubauen.
Und selbst das ZDF hat nun zugeschlagen. Bei den Mainzern läuft ab
2006 "Veronica Mars". Damit hat der Sender ausgerechnet eine der jüngeren
Serien eingekauft. "Veronica Mars" läuft seit September im jungen
Network UPN, dreht sich um eine 17-jährige Privatdetektivin und wäre
sicher beim jüngeren ProSieben-Publikum besser aufgehoben. Immerhin
kommen die deutschen Serienfans so aber wieder einmal in den Genuss, eine
US-Serie ohne Werbeunterbrechungen sehen zu können. Es sei denn, das
ZDF entscheidet sich dafür, "Veronica Mars" am Vorabend auszustrahlen.
Derzeit steht zumindest noch nicht fest, auf welchem Sendeplatz die Serie
zu sehen sein wird.
Die vielleicht Erfolg versprechendste
Serie, die derzeit noch nicht in Deutschland läuft, dürfte "Grey's
Anatomy" sein. Die junge, coole Krankenhausserie, die bei ABC direkt im
Anschluss an "Desperate Housewives" gesendet wird, ist dort eingeschlagen
wie eine Bombe und hat den zweitbesten Serienstart der laufenden Saison
hingelegt. Zwar steht noch nicht offiziell fest, welcher Sender in Deutschland
zum Zuge kommt, doch dürfte es sich sehr wahrscheinlich um ProSieben
handeln. Schließlich ist "Grey's Anatomy" eine Produktion von Touchstone
Televison für ABC. Und alle anderen Programme dieser Konstellation
("Alias", "Desperate Housewives", "Lost" etc.) laufen ebenfalls bei dem
Münchner Sender. Auch noch nicht offiziell in Deutschland angekündigt
ist die Mystery-Krimiserie "Medium" mit Patricia Arquette, die in den USA
bei NBC läuft und Erfolge feiert. Arquette spielt darin eine Staatsanwalt-Mitarbeiterin,
die mit Toten kommunizieren kann und dadurch Verbrechen löst. Auch
die neue, hervorragende Hochglanz-Privatdetektivserie "Eyes" wurde in Deutschland
noch nicht offiziell angekündigt. Noch ist der Rechteinhaber also
unklar.
Während die bereits laufenden
Serien auch in Deutschland schon einen Rechte-Inhaber haben dürften,
werden die Felle der ganz neuen Serien, die sich derzeit selbst in den
USA erst im Pilotstadium befinden, erst in den kommenden Monaten verteilt
werden. Ab dem 16. Mai werden die großen Networks verkünden,
welche Piloten ab Herbst in Serie gehen, direkt danach, ab dem 20. Mai,
fliegt die wichtigsten deutschen TV-Manager nach Los Angeles um sich die
Neuheiten auf den Screenings anzuschauen und gleich ein paar Deals abzuschließen.
Was sie dort zu sehen bekommen, könnte
auch in diesem Jahr einige große Namen und interessante Geschichten
enthalten. So produziert Touchstone für ABC beispielsweise einen Piloten
namens "Commander in Chief", der das Leben der ersten amerikanischen Präsidentin,
gespielt von Geena Davis, begleitet. Ebenfalls dabei: Donald Sutherland
und Leslie Hope. Mysteriös geht es hingegen in "Invasion" zu, einer
Warner-Serie für ABC, die die seltsamen Ereignisse in einer Kleinstadt
beleuchtet. In "Pros and Cons"spielen William Baldwin und Natasha Henstridge
FBI-Agenten.
Weitere bekannte Gesichter, die Serien-Piloten
drehen, sind u.a. Dylan McDermott, Jeri Ryan, David Arquette, Sally Field,
Jason Priestley, Jennifer Love Hewitt, Aidan Quinn, Dennis Hopper und Benjamin
Bratt. Welche der zahlreichen Piloten es tatsächlich zur Serienreife
schaffen und dann auch nach Deutschland kommen, steht derzeit natürlich
in den Sternen. Und selbstverständlich wird auch nicht jedes dieser
amerikanischen Programme in Deutschland Erfolg haben können. Dennoch
werden die Serieneinkäufer mit so viel Esprit wie seit Jahren nicht
mehr nach Amerika fliegen. Auch die US-Studios werden sich freuen, dass
die Lizenzpreise nach Jahren endlich wieder ansteigen, weil ihre Produktionen
in Deutschland wieder begehrter werden. Welche US-Serien die deutschen
Manager dann tatsächlich bei den L.A. Screenings zu sehen bekommen
und einkaufen, erfahren Sie natürlich im kressreport. (Jens Schröder)