Mitteldeutsche Zeitung vom 21.02.2006
Gute Unterhaltung für intelligente Erwachsene
Das deutsche Fernsehen könnte viel von US-Serien lernenVON CORNELIA WYSTRICHOWSKI
Köln/MZ. Kultregisseur Quentin Tarantino zögerte nicht lange. Auf die Frage, ob er das Drehbuch zu einer Episode von "CSI - Den Tätern auf der Spur" schreiben wolle, ließ sich Tarantino ("Pulp Fiction") eine furiose Story für die Krimiserie einfallen und führte höchstpersönlich Regie. Tarantino ist erklärter Anhänger von "CSI" - und so wie er fiebern auch in Deutschland regelmäßig mehrere Millionen Fans mit, wenn die coolen Ermittler aus Las Vegas ihre Fälle lösen.
Quote und Image
Der modern gemachte US-Krimikult, der bei uns auf Vox zu sehen ist und bereits zwei TV-Ableger hat, ist aber nur die Spitze eines Trends: Amerikanische Serien drücken dem Fernsehen hierzulande den Stempel auf wie in den Glanzzeiten von "Dallas". Ob es nun die "Desperate Housewives" (Pro Sieben) sind oder der verfressene Paketfahrer Doug aus "King of Queens" auf Kabel 1: Die Helden aus Hollywood bescheren den Privatsendern beim jungen Publikum hervorragende Quoten und nicht zuletzt ein fortschrittliches Image. Freilich gibt es auch Ausnahmen wie die Schönheitschirurgen-Serie "Nip/Tuck", die Pro Sieben wegen schlechter Quoten absetzte.Die US-Produzenten lassen sich ihre Vorzeigeserien etwas kosten. Die 24-teilige vierte Staffel der Echtzeitserie "24" (RTL 2) mit Kiefer Sutherland etwa war 50 Millionen Dollar teuer, und für eine einzige 40-minütige Folge von "CSI" lassen die Macher rund drei Millionen Dollar springen. Es sind aber nicht nur Äußerlichkeiten, sondern auch die komplexe Handlung, die ausgeklügelte Figurenzeichnung und die geschliffenen Dialoge. In Amerika zerbrechen sich Heerscharen hervorragender Autoren den Kopf über die Handlungsstränge ambitionierter Serien wie der Bestattersoap "Six Feet Under" (Vox). Es gibt einen gnadenlosen Ausleseprozess - von 300 Konzepten schaffen es nur drei ins Programm. "Ich glaube die Zuschauer wollen gefordert und wie Erwachsene behandelt werden. Intelligente Erwachsene", sagt Terence Winter, Autor der Mafia-Soap "Die Sopranos".
Deutsche Serien nutzen dieses Potenzial leider nur selten. Sogar wenn ein Sender sich an einem US-Vorbild orientiert, geht das oft schief, wie sich am ZDF-Flop "Kanzleramt" begutachten ließ, einer blassen Variante der preisgekrönten Politserie "West Wing".