Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. April 2006
 

Eine Million Dollar auf blutigem Boden
Der Mann im Sarg: Quentin Tarantinos "Grave Danger", die Abschlußfolge für "CSI"

Quentin Tarantino: CSI - Grave Danger

Momentum Pictures. Spielfilmlange Abschlußepisode der fünften Staffel in zwei Teilen. Englisch. Booklet. 87 Minuten. Extras: Pilotfilm und eine Folge "CSI: Miami". Im Internet in England erhältlich.
Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Nick ist auf eine falsche Fährte gelockt und entführt worden und liegt jetzt lebendig begraben in einem Plexiglassarg. Die Luft reicht für zwölf Stunden, und das CSI-Team um Grissom (William Petersen), zu dem Nick gehört, hat keine Ahnung, wo es den Sarg suchen soll. Dabei hat der teuflische Plan des Entführers dafür gesorgt, daß eine Webcam den Kollegen zeigt, wie Nick leidet, ohne daß sie etwas für ihn tun können. Und Nick beherrscht den Kunstgriff nicht, mit dem sich Uma Thurman in "Kill Bill 2" aus der gleichen Situation befreite.
Quentin Tarantino ist ein Fan. Nicht nur von Filmen jeder Art, besonders denen, die außerhalb des Kanonischen liegen, sondern auch von Fernsehserien. Er hat schon bei einer Episode von "ER" Regie geführt und nun bei "CSI - Crime Scene Investigation". Tarantino liebt diese Forensiker der Polizei von Las Vegas, um die sich die Serie dreht, die sich mit ernster Miene ihre Plastikhandschuhe überziehen, bevor sie Knochensplitter aus der Tapete ziehen, oder Folianten wälzen, um eine Ameisenart zu identifizieren, die in wenigen Stunden einen Menschen bis aufs Skelett abzunagen vermag. Für diese Serie also hat der Regisseur nun zum Abschluß der fünften Staffel eine Doppelepisode gedreht, und es weist nichts darauf hin, daß er das Fernsehformat als Beschränkung seiner Phantasie und filmischer Mittel empfunden haben könnte. Wahrscheinlich ist nur, daß er sich für den kleinen Schirm nicht die Mühe gemacht hat, drei verschiedene Arten von Filmblut zu verwenden, das japanische Animé-Blut, das Kung-Fu-Hongkong-Blut und das amerikanische Blaxploitation-Blut, wie er es für "Kill Bill" angeblich tat. Es fließt hier auch gar nicht in ausreichender Menge für solch exquisite Unterscheidungen. Natürlich muß, damit die Forensiker etwas zu tun haben, mindestens ein Körper in Fetzen gerissen werden, und daß mit diesen Fetzen eine Million Dollar in Banknoten auf den blutigen Boden hinabregnen, darf man als Erinnerung daran werten, worum es in Tarantinos Geschichten niemals ging. So ist auch hier das Motiv nicht Geld, sondern Vergeltung. Zeit für ein liebevolles Markenzeichen Tarantinos gibt es auch - einen winzigen Auftritt von Tony Curtis und einen kurzen Dialog über "cross dressing", zu kurz, um eine Karriere wiederzubeleben, aber lange genug, um einen ganzen Hof von Filmerinnerungen zu öffnen. Ende Mai wird die Episode als "Grabesstille" auf Vox auch bei uns ausgestrahlt, zuvor gibt es einzelne Kinovorstellungen in diversen Großstädten.