Süddeutsche Zeitung, Di 01.08.2000
Seite 17
Rezension
USA
Rob Cohen
The Skulls - Alle Macht der Welt / Film
Feuilleton
Seelenverkäufer
Die Macht der Geheimbünde: "The Skulls" von Rob
Cohen
Erwachsen werden ist eine schwierige Angelegenheit. Nur allzu leicht geraten junge Menschen zwischen Schein und Sein, zwischen Wunsch und Wirklichkeit ins Schlingern, weshalb Heerscharen von Filmen sich immer wieder aufs Neue mit den Irrungen und Wirrungen von Beruf, Liebe und Leben an der Schwelle von Jugend und Erwachsensein beschäftigen. Dabei bemüht sich Rob Cohen redlich, ein wenig tiefer unter die seichten Oberflächen amerikanischer Highschoolfilmen zu gehen. Ähnlich wie in den deutschen Filmen "23" oder "Anatomie" befasst er sich jetzt aus amerikanischer Perspektive mit dem alten europäischen Thema der Geheimbünde, und verschmilzt dabei nicht nur die Higshchoolromanze mit dem Korruptions-Thriller, sondern auch Elemente mittelalterlicher Geheimlogen mit modernen Science-Fiction-Motiven.
Luke McNamara würde alles tun, um auf seine Wunsch-Universität zu kommen. Als mittelloses Waisenkind ist er dabei für die Hilfe eines elitären Geheimbundes namens "The Skulls" höchst dankbar. Als jedoch sein bester Freund unter mysteriösen Umständen Selbstmord begeht, muss er begreifen, dass die vermeintlichen Geschenke, ein schnittiger Sportwagen, ein gefülltes Konto und die Universitätszulassung in Wirklichkeit einen hohen Preis haben. Als Mitglied des Bundes erkennt er plötzlich, dass es sich dabei keineswegs um eine kleine hermetische Gruppierung handelt, sondern um ein weit reichendes Netz von Verbindungen, das sich durch alle Ebenen der Gesellschaft zieht, bis hin zu den Spitzen von Politik, Polizei, Gerichtsbarkeit, Wirtschaft.
Dabei gelingt es Rob Cohen, der sich schon in "Dragonheart" eher für die groben Geste der Action als für die feine Zeichnung der Charaktere interessiert hat, nicht, die ausgelegten Fäden wirklich straff zu halten. Und die eher mittelmäßigen Schauspieler hinken ihren bisweilen abrupten Sinneswandlungen ein wenig hinterher.
Entscheidend ist, dass sich die Brücken von den Fantasien des Kinos nur allzu leicht in die Realität unseres Alltags schlagen lassen. Nicht umsonst werden derartige Überwachungs- und Manipulationsszenarien im Kino immer häufiger thematisiert. Während sie sich in McCarthys fünfziger Jahren noch aus der Angst vor dem Kommunismus nährten, sind sie heute Ausdruck für die von modernen Technologien verursachten Überwachungsängste des Menschen: Dabei ist es im Grunde egal, ob die sich unterschwellig ausbreitende Gefahr wie in John Carpenter "They Live" oder in "Matrix" von Außerirdischen kommt, oder wie hier von machtbesessenen Normalsterblichen.
ANKE STERNEBORG
THE SKULLS, USA 2000. - Regie: Rob Cohen. Drehbuch: John Pogue. Kamera: Shane Hurlbut. Musik: Randy Edelman. Mit: Joshua Jackson, Paul Walker, Hill Harper, Leslie Bibb, Craig T. Nelson, William Petersen, Christopher McDonald. Verleih: Kinowelt. 107 Minuten
Textergänzung:
Bildunterschriften:Luke McNamara (Joshua Jackson) wird Opfer der Machenschaften einer Studentenverbindung
Foto: Verleih