Berliner Zeitung vom 15. 10. 2009 – Mit ihm ist CSI vorbei Doktor Grissam bekommt keinen eleganten Abschied
Autor Thomas Klein
Copyright Berliner Zeitung
Das CSI-Konzept ist nicht kaputt zu kriegen: Für die RTL-Gruppe ist es ein steter Quotenbringer, selbst Wiederholungen sorgen für solide Zahlen. Im Herbst 2001 hatte Vox die erste Staffel gesendet, im RTL-Hauptprogramm läuft “CSI -Den Tätern auf der Spur” seit 2006, auf den Erfolg des Wissenschaftskrimi-Originals folgten zahllose Ableger und freche Kopien auch im deutschen Fernsehen von “Bones” über “Navy CIS” und “Dr. House” bis zum “Mentalist.” Der CSI-Komplex -übernatürliche Beobachtungsgabe und modernste Wissenschaft sowie eine hundertprozentige Aufklärungsquote -hat das Serien-Fernsehen über weite Strecken zur Monokultur gemacht. Deutsche Produktionen mühten sich, Anschluss an die Importe zu finden, selbst “Tatort”-Kommissare verbringen heute überraschend viel Zeit in der Gerichtsmedizin.
Das kann man in vielen Fällen als pure Trittbrettfahrerei verstehen und den CSI-Serien eine spürbare Verrohung des Fernsehens und der Zuschauer vorwerfen: Früher war Blut eine Pfütze und ein Mordopfer ein abgedeckter Körper, heute werden ausladend Spritz-Muster analysiert, Gewaltanwendungen nachgestellt und im Detail vorgeführt.
Würde des Menschen, hier meist ein zerlegter oder zerfallender Kadaver, ist bei der TV-Obduktion wenig übrig. Das mag realistisch sein, doch der Wechselschritt zwischen überdeutlicher Darstellung und quasi-wissenschaftlicher Verfremdung ist immer etwas kokett. Beim Ur-CSI wirkte das nie so brutal oder zynisch, weil in Las Vegas sympathische Leute mit ganz eigenen Problemen arbeiten. Ihre Themen sind Spielsucht und Mafia-Verwandtschaft, ein freundlicher Wettbewerb untereinander und ein hartes Gerangel mit den Kollegen der Tagschicht sind ebenso an der Tagesordnung wie politischer Druck von oben und Ermittlungen zwischen Anteilnahme und Faktenlage. Im Mittelpunkt des Teams steht Doktor Gil Grissom (William Petersen): Vaterfigur und forensischer Entomologe, immer freundlich, etwas vereinsamt. Grissom kann sich für auch obskurste Aspekte eines Falls begeistern und findet oft so zur Lösung, sein Motto lautet: Folgt den Beweisen. Ein nennenswertes Privatleben hat er nicht -die Beziehung zur Mitarbeiterin Sara Sidle (Jorja Fox) endete
eher traurig.
Doch jetzt muss Gil Grissom gehen. RTL hat das wenig elegant gelöst: Die heutige Folge “Abschied eines Ermittlers” ist zweiter Teil eines Doppels, das vergangene Woche von der Pilotfolge der eher bescheidenen “Knight Rider”-Neuauflage unterbrochen wurde. Wenig Trommelwirbel für Grissoms Abgang. Aber das passt zum RTL-Umgang mit dem Quotenbringer -der Sender vermengt munter neue Folgen und Wiederholungen und unterbricht ohne Not Staffeln. Die Zuschauerzahlen stimmen ja sowieso.
Bei CSI ändert sich auf jeden Fall der Tonfall, wenn Grissom dem eher eisigen Dr. Langston (Laurence Fishburne) weicht. Die CSI-Ableger haben gezeigt, dass der Chef die Serie macht, doch nun fehlt Grissom als sympathisches Original: Die Serie geht zwar weiter, aber irgendwie ist CSI auch vorbei.
CSI -Den Tätern auf der Spur: Abschied
eines Ermittlers, 21.15 Uhr, RTL